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DISKRETE MATHEMATIK
Erich Prisner
Sommersemester 2000

Binäre Relationen auf einer Menge

Inhalt:

Binäre Relationen R A ×A auf einer Menge A werden manchmal auch homogene (binäre) Relationen genannt. Die (Nicht-) Gültigkeit einiger Eigenschaften entscheidet, ob die Relation Ordnungsrelation, Äquivalenzrelation, oder ein (ungerichteter) Graph ist. Wir werden zwei Möglichkeiten solche Relationen darzustellen kennenlernen---einerseits durch quadratische 0-1 Matrizen, andererseits als gerichtete Graphen.
Relationen auf einer festen Menge A kann man schneiden und vereinigen, und man kann auch das Komplement bilden. Ausserdem kann man Transponieren, und Komponieren; tatsächlich hat die Menge aller Relationen auf A einige interessante Eigenschaften bzgl. dieser Operationen.

Definition: Eine binäre Relation R A ×A auf A heißt
  • reflexiv falls (a,a) R für jedes a A gilt.
  • irreflexiv falls für kein a A gilt (a,a) R.
  • symmetrisch falls aus (a,b) R immer auch (b,a) R folgt.
  • antisymmetrisch falls aus (a,b), (b,a) R folgt a= b.
  • transitiv falls aus (a,b) R und (b,c) R immer auch (a,c) R folgt.

Die natürlichste binäre Relation auf einer Menge A ist die Identität (oder Gleichheitsrelation, Diagonale) idA = {(a,a) | a A}.

Darstellung binärer Relationen

Binäre Relationen auf endlichen Mengen M können auf zwei Arten visualiert werden. Erstens durch quadratische |M| × |M| 0-1 Matrizen. Zuerst muß man die Elemente von M als x1,x2,...,x|M| durchnummerieren. Für i,j {1,2,..|M|} definiert man ai,j = 1 falls (xi,xj) R, und andernfalls ai,j = 0.
Die zweite Visualisierungsmöglichkeit benutzt sogenannte gerichtete Graphen oder (Digraphen). Die Elemente von M werden aufs Blatt gezeichnet und Ecken genannt. Nun zieht man einen Pfeil (gerichtete Kante) von x nach y wenn (x,y) R ist. Eventuelle gerichtete Kanten von x nach x werden wegen ihrer Bumerangnatur Schlingen genannt. Natürlich kann dieselbe Relation, d.h. derselbe Digraph sehr verschieden gezeichnet werden.

Beispiel: Sei M = {a,b,c,d,e} und R={(a,b),(a,e),(b,a),(b,d),(c,d),(e,e)}. Hier ist die Matrix (für Reihenfolge a,b,c,d,e) und der gerichtete Graph.

Homomorphismen/Isomorphie

Wie bei jeder mathematischen Struktur gibt es auch hier den Begriff des Homomorphismus und der Isomorphie. Ein Homomorphismus von einer Relation R A ×A auf eine Relation R' A' ×A' ist eine Abbildung f: A A' mit der Eigenschaft daß aus (x,y) R stets (f(x),f(y)) R' folgt.

Zwei Relationen R A ×A und R' A' ×A' sind isomorph wenn es eine bijektive Abbildung f: A A' gibt, so daß sowohl f als auch f-1 Homomorphismen sind. Isomorphe binäre Relationen sind bis auf Benennung der Elemente dieselben Strukturen.

Transposition und Komposition

Aus gegebenen Relationen lassen sich neue bilden. Einerseits durch Durchschnitts-, Vereinigungs- und Komplementsbildung (wir setzen R := (A ×A) \ R), denn Relationen sind ja Mengen, andererseits auch durch folgende Operationen:

Die Transposition oder inverse Relation RT zu einer Relation R auf A ist definiert als RT = {(b,a) | (a,b) R}. Ist R eine Abbildung, so ist RT = R-1. Die Bezeichnung rührt daher, daß die Matrix von RT gleich der transponierten Matrix von R ist. Den gerichteten Graphen von RT erhält man durch Umdrehen aller Richtungen.

Sind R und S Relationen auf einer Menge A, so ist die Komposition (das Relationenprodukt) R S = {(a,c) | $ b A: (a,b) R (b,c) S}. Dummerweise ist die Konvention genau umgekehrt wie bei Abbildungen: Sind f und g Abbildungen, so ist f g (als Relationenprodukt) = g f (als Komposition von Abbildungen), also aufpassen!
Die Matrix von R S ist das Matrizenprodukt der Matrizen von R und S, wenn man beim Addieren "1 + 1 = 1" beachtet (man möchte ja wieder eine 0-1 Matrix erhalten---andernfalls würde man die Zahl der b A mit (a,b) R und (b,c) R zählen). Man kann R S auch aus der Digraphendarstellung ablesen: Färbt man alle gerichtete Kanten von R rot und alle gerichtete Kanten von S schwarz, dann ist ganu dann (x,y) R S falls man durch einen "Doppelzug", erst entlang einer roten Kante, danach entlang einer schwarzen Kante, von x nach y kommen kann.

R ist genau dann

Relationenalgebra

Wir betrachten die Menge aller Relationen auf einer festen Menge A. Mit den drei ausgezeichneten Relationen , idA, sowie 1A := A ×A erhalten wir:

Hüllen

Für jede Relation R A ×A ist R idA reflexiv und R RT symmetrisch. Die Relationen sind die kleinsten reflexiven bzw. symmetrischen Relationen auf A, die R enthalten. Ähnliches ist auch für "transitiv" möglich:

Die transitive Hülle R* einer binären Relation R auf einer Menge M wird definiert durch: (x,y) R* $k N0: $ z1, z2, zk M: (x,z1), (z1,z2), , (zk- 1,zk), (zk,y) R.
Definiert man R0 = idM und Rn+1 = Rn R, dann kann man die transitive Hülle auch so ausdrücken: R* = n 0 Rn. Der Name ist gerechtfertigt, denn sind (x,y), (y,w) R*, d.h. gibt es natürliche Zahlen k, t 0 und z1, z2, zk, u1, u2, ut M: mit (x,z1), (z1,z2), , (zk- 1,zk), (zk,y) R, und (y,u1), (u1,u2), , (ut- 1,ut) R, (ut,w), so ist ja offenbar damit auch (x,w) R*

Die transitive Hülle jeder binären Relation auf einer Menge ist transitiv.


Test

Gegeben sind 6 binäre Relationen auf {a,b,c,d,e}:
D1: D2: D3:
D4: D5: D6:
D1* = ?
Was ist D1 D1?
irreflexiv ist ...
transitiv ist ...

Die wichtigsten biären Relationen auf einer Menge sind Ordnungsrelationen, Äquivalenzrelationen und (ungerichtete) Graphen.
Erich Prisner
erstellt im Februar 2000, zuletzt geändert am 11. April 2000.